Unsere lieben Eltern und ein kleiner Teil von Karl-Heinz Kindheit bis in die Teenagerzeit

Unsere lieben Eltern Friedrich und Alwine Lohmann, mußten das Sterben von ihrem jüngsten Sohn Karl-Heinz, Gott sei Dank
nicht miterleben.
Sie hätten den Tod von Karl-Heinz nicht wegstecken und verkraften können, auch nicht mit noch so vielen tröstenden Worten.
Unsere Mutter war eine herzensgute Frau,sie half jeden und allen und gab wenn es darauf ankam ihr letztes.
Unser Vater war nach außen hart aber von innen ein ganz weicher Kern.
Er mußte den Krieg miterleben was nicht einfach war,das alleine zeichnet ein Mensch sein ganzes Leben.
Aber den Tod von Karl-Heinz, von einem seiner Kinder überhaupt hätte er nicht in den Griff bekommen.
So gut haben wir unsere Eltern gekannt, das wir dies beurteilen können.
Es ist ihnen viel Leid und Schmerz erspart worden und das ist für uns auch ein kleiner Trost.
Unsere Mutter sagte einmal, wenn der Mann stirbt,geht er von der Seite, wenn ein Kind stirbt geht es vom Herzen.
Das soll nicht heißen, das der Mann weniger geliebt wurde, nur das Kind hat sie selbst geboren und das macht den Unterschied.
Mein Bruder Walter gab mir einmal ein so wunderschönes Gedicht!



"Es war einmal ein Baby im Bauch seiner Mutter, welches bereit war geboren zu werden.
Das Baby fragte Gott:
Wie soll ich auf Erden leben,wo ich doch so klein und hilflos bin?
Wie werde ich singen und lachen können um fröhlich zu sein?
Wie soll ich Menschen verstehen,wenn ich die Sprache nicht kenne?
Was werde ich tun, wenn ich zu Dir sprechen will Gott?
Und wer wird mich beschützen?
Und Gott antworte dem Baby:
Ich habe für dich ein Engel auserwählt, der über dich wachen wird,bist du erwachsen bist.
Dein Engel wird für dich singen und für dich lachen und du wirst die Liebe deines Engels fühlen.
Dein Engel wird dir die schönsten und süßesten Worte sagen,die du jemals hören wirst.
Mit viel Ruhe und Geduld wird dein Engel dich lernen zu sprechen.
Dein Engel wird deine Hände aneinanderlegen und dich lehren zu beten.
Dein Engel wird dich verteidigen, auch wenn er dabei sein Leben riskiert.
In diesem Moment riefen Stimmen der Erde den Namen des Babys, denn es sollte nun geboren werden.
Voller Erwartung sprach das Baby ein letztes mal zu Gott.
Oh Gott muß ich jetzt von dir gehen,
bevor ich dich jetzt verlasse, sage mir bitte den Namen von meinem Engel.
Und Gott sprach:
Ihr Name ist nicht wichtig
Nenne sie einfach "***Mama***"

Unsere Mutter war ein Engel auf Erden!

Vielleicht sind die Worte das ein Kind vom Herzen geht, durch dieses wunderschöne Gedicht besser zu verstehen.
Karl-Heinz war als jüngster das Nesthäkchen unserer Familie.
Unsere Mutter ist am 20.März 1980 mit erst 56 Jahren an einer Krebserkrankung verstorben und unser Vater folgte ihr acht Jahre später am 3.Juni 1988 an einer Herzerkrankung.
Für uns Kinder war der Tod unserer Eltern sehr schlimm zu verkraften.
So kam es das Karl-Heinz und ich Lisa noch tiefer verbunden waren als je zuvor.
Die älteren Geschwister waren verheiratet, hatten schon ihre eigenen Kinder und waren somit schon lange außer Haus und konnten deshalb ganz anders mit dem Tod der Eltern umgehen.
Ich möchte damit nicht sagen,das sie weniger getrauert haben,aber sie waren durch ihre eigenen Familien doch mehr abgelenkter als wir letzten drei Geschwister.
Wenn ich daran denke wie oft wir mit Karl-Heinz am Elterngrab gestanden sind und nun teilt er seine letzte Ruhestätte mit ihnen und unseren Großeltern Georg und Elisabeth Christ.
Unsere Oma ist am 16.02.1970 verstorben, am Tag an dem unserer anderer Bruder Georg Geburtstag hat.
Sie hat Karl-Heinz noch aufwachsen sehen und er war ihr Liebling, daraus hatte sie nie ein Geheimnis gemacht aber es war ihr deshalb keiner böse.
Unser Opa ist 1956 verstorben und hat Karl-Heinz nicht mehr gekannt.
Auch die Großeltern väterlicherseits Friedrich und Helene Lohmann 1954 und 1942 verstorben,haben wir jüngeren Geschwister leider nicht gekannt.
Von Erzählungen her wissen wir, das unser Opa väterlicherseits auch musikalisch veranlagt war, er spielte auch Akkordeon. Bei unserem Vater kommt noch Schifferklavier und Klavier das er gespielt
hatte dazu.
Dieses Talent muß Karl-Heinz geerbt haben. Als wir drei jüngere Geschwister noch zu Hause waren, ging es manchmal lustig zu.
Wenn unser Vater mit dem Akkordeon spielte, nahm Karl-Heinz zwei Suppenlöffel und klapperte im Takt der Musik mit.
Walter stellte Flaschen vor sich auf den Tisch, die er zuvor mit etwas Wasser unterschiedlich aufgefüllt hatte,damit verschiedene Klänge entstanden, nahm einen Teelöffel und begann durch leichtes anschlagen an die Flaschen die Töne zu erzeugen die zur Musik passten.
Und ich habe mit zwei Topfdeckel im Rhythmus mit zusammenschlagen der Deckel, mit der Musik mitgewirkt und zusammen mit unserer Mutter ist kräftig mitgesungen worden.
So richtig schöne alte Lieder und manchmal war sogar unser Nachbar dabei, der ebenfalls sich mitreißen ließ und kräftig mitgesungen hatte.
Wenn man darüber nachdenkt,geht eine Tür nach der anderen auf, wie bei einem Computer indem alles gespeichert ist.
Es sind Kleinigkeiten die das Herz schneller schlagen lassen wenn man daran denkt.
Noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Nähkästchen!
Früher kamen im Fernsehen immer Filme, die angekündigt wurden,: "Für Jugendliche nicht geeignet."
An einem Samstag kam solch ein Film, den Karl-Heinz und ich unbedingt sehen wollten.
Unbemerkt schlichen wir uns unter den Wohnzimmertisch und verhielten uns ganz still.
Als endlich der Film angefangen hatte und wir uns sicher fühlten nicht entdeckt zu sein, hob unser Vater plötzlich ganz schnell die Tischdecke etwas hoch und sagte die Worte,:hoffentlich seit ihr zwei bald im Bett, ganz schnell huschten wir unterm Tisch hervor und hatten keine Chance,wir mussten zu Bett.
Aber selbst da war noch lange nicht Ruhe eingekehrt, irgend einen Schabernack, fiel uns wieder ein, jedoch konnte unser Vater das nicht hören,weil er ja im Wohnzimmer ferngesehen hatte.
Bei uns zu Hause war immer viel Leben und immer was los.
Immer wenn wir zu Bett geschickt wurden und waren absolut noch nicht müde,spielten wir Cowboy und Indianer, die Matratzen stellten wir hochkannt und das waren dann unsere Pferde und dann ritten wir durch die Prärie.
Dabei ging es gerade nicht leise zu, das Cowboy und Indianerspiel ist uns ganz schnell vergangen, wenn unser Vater auf einmal in der Tür stand.
Bis zum nächsten mal war dann Ruhe.
So war es auch als Karl-Heinz und Walter heimlich das Rauchen anfingen,sie versteckten sich zwischen den Häusern im Rail.
Da waren sie sich sicher das unser Vater sie nicht erwischen konnte, denn er passte mit seinem dicken Bauch nicht in den Rail.
Doch unser Vater ist schon misstrauig geworden,wenn sie von sich aus,den Rail reinigen wollten.
Da wußte er genau das sie irgend etwas im Schilde führten.
Aber bevor sie wieder heraus kamen,stand er schon parat und wartete auf sie.
Die Zigaretten steckten sie in ihre Socken im Glauben da würde er sie nicht finden, aber das war wohl ein großer Irrtum, denn er wußte genau wo er zu suchen hatte.
Zuerst sagte er,haucht mich mal an! Aber anstatt ihn anzuhauchen, zogen sie den Atem in sich hinein in der Hoffnung das er nichts vom Rauch riechen würde.
Aber er war ja nicht von gestern,er wusste sofort was Sache war und so kam er immer wieder durch die Beiden zu kostenlosen Zigaretten,die er ihnen immer wieder abnahm.
Bei diesen schönen Geschichten,die wir als Kinder erlebt haben, kommt trotzdem wenn auch unter Tränen,ein Lächeln ins Gesicht,weil es viele Bilder und Erlebnisse sind die man in Gedanken vor sich sieht und die man auf keinen Fall missen möchte.
Auch nicht als Karl-Heinz seinen allerersten,öffentlichen Auftritt mit erst sechs Jahren hatte. Mit den Suppenlöffel spielte er zur Musik damals. Wir waren alle mächtig stolz auf ihn,aber ganz besonders natürlich unsere Eltern.
Danach kamen dann etwas später seine Auftritte mit seinem Keyboard.
Ja es gibt so viele solcher schönen Erinnerungen und Karl-Heinz hat gerne über die Kindheit gesprochen.
Einmal hatte er seiner Frau Susi erzählt und gezeigt wie er mit dem Schlitten, den Weg durch die Weinberge, am hinteren Eingang vom Osthofener Friedhof,gerodelt ist und wie viel Spaß er dabei hatte.
So gibt es noch viele,viele andere schöne Erlebnisse ,aber auch weniger schöne die sehr weh tun,wenn man daran zurück denkt.
Die erste Weihnachten ohne unsere Mutter,wie wir uns im Arm lagen und nur noch geweint haben.
Als dann unser Vater auch noch gegangen war, fühlten wir uns so allein gelassen und das brachte uns noch näher zusammen.
Der Eine wusste was der Andere gerade denkt, ohne ein Wort zu sprechen.Dann seine erste Wohnung in Osthofen, in der Herrnsheimerstrasse. Gemeinsam haben wir sie renoviert und eingerichtet.
Sein erstes Auto, ein Mazda Baujahr 1988 mit 55 PS auf das er sehr Stolz war.
Sein erstes Handy, ein Nokia 3310, so groß noch wie eine Fernbedienung, aber er freute sich riesig darüber.
Sein allererstes,selbstgekauftes Keyboard, hatten wir damals gemeinsam ausgesucht im Odenwald im Musikhaus Ernst Knapp.
Sein zweites Auto, ein weißer Kadett, den haben wir erst zusammen gründlich geputzt und dann ganz feierlich mit einer Flasche Sekt getauft.Alles was Karl-Heinz fühlte und alles was ihn bewegt hatte,es gab keine Geheimnisse zwischen uns.
Wir waren über 42 Jahre, wie Zwillinge, wir waren eins und das kann uns keiner nehmen oder absprechen.
Natürlich gab es auch Streit,natürlich gab es auch Meinungsverschiedenheiten,aber was für uns zählt, sind die vielen schöne Jahre die wir zusammen verbringen durften und darüber bin ich unendlich dankbar.
Dann kommen wieder Bilder von der Intensivstation.Es war eine dunkel lila große Türe,die man immer wieder vor sich sieht.Und wenn man warten mußte, bis man endlich zu ihm durfte,ist es einem so unendlich lange vorgekommen,obwohl sie uns nie lange warten ließen und immer sehr freundlich zu uns waren,dachten wir die Zeit sei stehen geblieben.Dann sieht man,den Abschied, es war das letzte mal das wir ihn sehen durften.Ein allerletztes mal ihm über sein Gesicht streicheln,ein allerletztes mal, sein Gesicht küssen.Dann die Trauerfeier, die Beisetzung immer wieder sieht man alles vor sich ablaufen diese schlimmen Bilder haben sich so ins Herz gebrannt,die kann man garnicht mehr vergessen.
Ich spürte wenn es ihm nicht gut ging, jede geringste Veränderung habe ich ihm angesehen als er im Krankenbett lag,
aber er lebte und das war was gezählt hat und er hörte und verstand uns und das deuteten wir als ein gutes Zeichen.
Immer wieder dachten wir er brauch nur etwas länger Zeit,bis sein Körper sich wieder richtig erholen wird.
Die Hoffnung bis zum Schluss gehabt und dann diese furchtbaren Worte, diese Worte, die man doch auf garkeinen Fall
hören wollte und trotzdem wurden sie ausgesprochen, "Karl-Heinz ist eben verstorben"

Irgendwann einmal sagte er zu seiner Frau Susi, wenn ihm einmal was passieren würde, möchte er doch bitte in Osthofen beerdigt werden.
Wenn er auch aus Liebe zu seiner Frau nach Dannenfels gezogen ist, so war er doch mit seinem Herzen an seinen Heimatort gebunden und immer noch irgendwie hier zu Hause.
Am 29 April ist er, wie es sein Wunsch war nun für immer zu Hause angekommen.

Die drei jüngsten Geschwister Karl-Heinz,Lisa und Walter !

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